Über uns

  • Über uns

Kultur-a-real Klausenbauernhof: Familie Faitsch bittet zur Hof-Art

Natürlich ist der Klausenbauernhof ein Denkmal. Schließlich wurde der Hof auf die Jahre 1561/62 datiert und ist so einer der ältesten Schwarzwaldhöfe des Kinzigtaler Typs. Da die ursprüngliche Bausubstanz im Großen und Ganzen noch erhalten ist und der Klausenbauernhof so einer der wenigen Höfe ist, die den Dreißigjährigen Krieg weitgehend unbeschadet überstanden haben, hat das Landesdenkmalamt ihn als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch eingetragen. Die Nebengebäude, teils dem Hof zugehörig, teils an ihrem alten Standort vor dem Abbruch gerettet und abgetragen und hier wieder aufgebaut, lassen den Hof zu einem einzigartigen Ensemble werden. Und doch scheint der Begriff Denkmal nicht anwendbar auf den Klausenbauernhof, klingt selbst mit dem Zusatz "lebendig" verfehlt. Lebendig allein, das trifft es schon eher.

Der Klausenbauernhof strotzt förmlich vor Leben. Das liegt zuallererst einmal daran, dass die heutigen Besitzer, die Familie Faitsch, den Hof tatsächlich auch bewohnen und nicht nur "ausstellen". Zu den Hofbewohnern zählen neben Joachim Faitsch, seines Zeichens ein gefragter Fachmann für Bauforschung und Restaurierung mit eigenem Sanierungsbetrieb, seiner Frau Sibylle, zuständig für das leibliche Wohl der Gäste, die einen so liebevoll willkommen heißt, dass man sich gleich wie zu Hause fühlt, den drei Kindern Friederike, Raphael und Dominik auch noch jede Menge Vierbeiner, die keiner vollständig aufzählen kann, ohne ins Stocken zu geraten. Fast eine richtige Bauernhofbesetzung also. "Und nicht zuletzt ein wahres Mäuseparadies, dank des gewaltigen Roggenstrohdachs"!, lacht Joachim Faitsch.

Wenn man mit ihm im Schatten unter den Bäumen sitzt, mitten in der Idylle, klingt alles ganz harmlos, was er von den schweren Anfangszeiten erzählt. Dabei wurde der Hof buchstäblich unter der Abrissbirne weg gekauft, sollte dem Gewerbegebiet Platz machen, dem er heute trotzig die Stirn bietet.

Es folgten etliche Jahre der behutsamen und verständigen Restaurierung, die Hofanlage verschlang Geld und Arbeitskraft gleichermaßen. 1995 schließlich erfolgte der erste Schritt in die Öffentlichkeit, zum Tag des offenen Denkmals. Die Resonanz war riesig, die Besucher begeistert. Sowohl der Hof selbst als auch die durchgeführten Arbeiten sind in höchstem Maße sehenswert. Also etablierten sich die Hofführungen, die für den interessierten Laien genauso wie für den Fachmann auf der Suche nach gelungenen Lösungswegen lohnen.

Und dann kam eines zum anderen. Jemand entdeckte die grandiose Kulisse, die der Hof für Feste hergeben würde, und die nächste Nutzungsidee war geboren. Ob Hochzeit, Vereinsfest, Firmenjubiläum - es gibt keinen Anlass, der nicht auf dem Klausenbauernhof einen gelungenen Rahmen finden würde.

Um dann den Bogen zu spannen zwischen den eher fachlich-sachlichen Hofführungen und den rauschenden Festen, wurde die Hof-Art geboren. Sibylle und Joachim Faitsch stellen ein Kulturprogramm zusammen, das seinesgleichen sucht. In Eigenregie, mit der Unterstützung guter Freunde, bieten sie ein Jahresprogramm an Konzerten, Ausstellungen, das immer mehr Freunde findet und viele Begeisterte regelmäßig auf dem Kultur-a-real Klausenbauernhof vorbeikommen lässt.

Die Räumlichkeiten dafür könnten vielseitiger nicht sein. Ob im zum Gastraum umfunktionierten ehemaligen Kuhstall im Erdgeschoss, dessen Atmosphäre durch die wuchtige Eichenbalkendecke und das Bruchsteingemäuer beherrscht wird, in der großen Halle unter dem Hofdach, im frei stehenden Fachwerkbau mit dem mutig aufgesetzten modernen Dach, jede Veranstaltung findet hier den stimmigen Ort, alle miteinander in Kommunikation durch die Möglichkeit zu bummeln, sich ein lauschiges Plätzchen unter den Bäumen zu suchen, sich auch mal zurückzuziehen und später wieder zum Geschehen zu stoßen.

Ganz besonders gelungen: Der ehemalige Heustock, der für Ausstellungen genutzt wird. Über drei Etagen ziehen sich die Ausstellungsräume, durch Winkel, Ecken, Nischen, Treppen in ein geheimnisbergendes Labyrinth unterteilt, bei dem es immer wieder neue Ein- und Ausblicke zu entdecken gibt und das seinen ganz besonderen Charme auf die ausgestellten Werke überträgt.

Alles in allem ist der Klausenbauernhof ein rundum gelungenes Beispiel dafür, wie man altes Kulturgut bewahren kann, ohne ihm den musealen Stempel der Ehrfurcht aufzudrücken.

Durch die unprätentiöse Nutzung verlieren die Gebäude den Eindruck von bewahrtem Altertum und vermitteln lebendige Kontinuität über die Jahrhunderte - was soll einem solchen Hof denn noch Schöneres passieren?

Frauke Napierala

mit freundlicher Genehmigung von Verlag Straub Druck, Schramberg; aus dem Buch "Kinzigtal - im Schwarzwald Qualität erleben"